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Rose Mme A. Meilland – Die Geschichte

Eine der bekanntesten Rosensorten ist die Edelrose (Teehybride) 'Mme A. Meilland. Sie ist gleichermassen bei Hobbygärtnern wie auch bei Profis beliebt. Die Geschichte dieser Rose ist sehr speziell und sogar weltpolitisch angehaucht. Das erklärt auch die unterschiedlichen Namen in verschiedenen Ländern. Z.B. heisst sie in der Schweiz 'Mme A. Meilland, in Deutschland 'Gloria Dei', in Italien 'Gioia' und in den USA 'Peace'. Doch lassen wir diese spannende Geschichte der Reihe nach aus der Sicht des französichen Züchters Meilland erzählen.

Züchtung

Beim Durchblättern eines unserer bereits vergilbten Notizbücher entdeckten wir das Datum des 15. 6. 1935, welches die Geburt der Rose 'Mme A. Meilland' darstellt. Sie war unter der Nummer 3-35-40 eingetragen. Dies bedeutete, dass diese Kombination die dritte des Jahres 1935 und die 40. von 50 Kreuzungen war, welche näher beobachtet wurden.

Es wurden 55 Blumen unter gleichen Bedingungen von Hand bestäubt, woraus 52 Früchte entstanden. Die Samen dieser Früchte wurden im Folgejahr ausgesät. Es wuchsen gut 800 Jungpflanzen heran. Aber nur eine davon hatte die Qualität, berühmt zu werden.

Der weibliche Elternteil war das Resultat aus zwei Neuzüchtungen:

  1. Ergebnis einer Kreuzung zwischen den Sorten 'Georges Dickson' und 'Sir de Claudius Pernet'.
  2. Ergebnis einer Kreuzung zwischen den Sorten 'Joanna Hill' und 'Ch. P. Kilham'.

Der männliche Elternteil stammte von der Sorte 'Margaret Mac Greedy'.

Alles auf einen Nenner gebracht sieht die Kreuzung folgendermassen aus:
[(Georges Dickson x Sir de Claudius Pernet) x (Joanna Hill x Ch. P. Kilham)] x Margaret Mac Greedy

Durch diese Kombination erhofften wir uns eine neue Rosensorte von grosser Widerstandskraft, mit hohen Blütenstielen und gesundem Blattwerk. Nach unserer Erfahrung musste die Blütenfarbe zwischen gelb und zweifarbig rot-gelb liegen. Zu dieser Zeit waren wenig zweifarbige Sorten vorhanden, sodass wir uns etwas Besonderes unter den vielen, bereits existierenden Rosensorten erhofften.

Der kleine Sämling mit der Nummer 3-35-40 war nicht besonders stark. Eigentlich war da nichts Besonderes was die Aufmerksamkeit auf ihn lenkte. Im Laufe des Sommers 1936 wurden zum ersten Mal einige Augen (Knospen) veredelt (okuliert). Die Veredlung muss sehr früh in der Veredlungsaison stattgefunden haben, denn um den 10. Oktober herum bemerkten wir bereits das grüne Blattwerk und einzelne grosse Blütenknospen. (Anmerkung: Normalerweise treibt eine neue Veredlung erst im Folgejahr aus). Dank eines aussergewöhnlich schönen Herbstes konnten wir sogar die ersten Blüten bewundern. Sie waren kanariengelb und gegen den Rand hin karminrot. Von diesem Zeitpunkt an waren wir von dieser Neuzüchtung 3-35-40 begeistert und fest überzeugt, dass sie Erfolg haben wird.

In den nächsten paar Jahren wurde diese aussergewöhnliche Züchtung weiter beobachtet und vermehrt.

Namensgebung/Markteinführung

Unter dem Begriff "Fruchtstände" verstehen wir Beeren, z.B. an Gehölzen, aber auch Im Juni 1939 war die noch namenlose Züchtung 3-35-40 das grosse Ereignis des Sommers und nahm ganz besonders die Aufmerksamkeit der Besucher in unserer Baumschule in Anspruch. In diesem Jahr wurden je drei Veredlungen an je eine Rosenbaumschule nach Deutschland, Italien und in die USA verschickt, ein Jahr später auch nach England.

Am 3. September 1939 brach der Krieg aus und alle Beziehungen zu Deutschland wurden unterbrochen. Nach der Invasion vom Juni 1940 geschah dasselbe mit Italien und dann mit England. Diese Umstände waren schuld, dass die Deutschen die Rose 3-35-40 unter dem Namen 'Gloria Dei' (Ehre sei Gott) in den Handel brachten, die Italiener unter 'Gioia' (Freude) und in Frankreich bekam sie den Namen 'Mme A. Meilland' (Andenken an Antoine Meilland, welche ein paar Jahre vorher verschied). Die Schweiz übernahm später den Namen 'Mme A. Meilland'.

Bis Juni 1945 hatten wir keine Ahnung, was mit der Rose 3-35-40 in den USA geschehen war. Erst jetzt informierte uns die Baumschule Conard Pyle Company, dass die Versuche in ihren Kulturen positiv ausgefallen waren und dass man ihr den Namen 'Peace' (Frieden) geben werde. Diese Namensgebung war ein Symbol für die Hoffnung auf ein Ende der schrecklichen Kriegsjahre

Die Taufzeremonie von 'Peace' fand , nach mehrmonatiger Planung, unter Gönnern der amerikanischen Rosengesellschaft statt. Das Datum wurde auf den 29. April 1945 festgesetzt, und durch einen sonderbaren Zufall fiel der Tag der Taufe gerade auf denjenigen, als die russischen und alliierten Truppen Berlin einnahmen und dadurch das Kriegsende greifbar nahe rückte.

Einige Wochen später bei der Gründungsversammlung der Vereinigten Nationen in San Franzisko, fand jeder Chef der 49 Delegationen in seinem Hotelzimmer eine kleine Vase mit der Rose 'Peace' sowie die folgende Botschaft vor:
"Das ist die Rose 'Peace', die in Pasadena in Kalifornien an dem Tag getauft wurde, als Berlin fiel. Möge die Rose 'Peace' die Bemühungen der Menschheit um einen gerechten und dauerhaften Frieden unterstützen.

Schlusswort

Wir werden die Aufregung, Begeisterung und Freude nie vergessen, die uns die Kreation der Rose 3-35-40 beschert hat. Die Umstände wollten es, dass sie unter verschiedenen Namen bekannt wurde. Jeder dieser Namen erinnert die Menschen daran, dass sie immer Grund finden werden, um Gott zu loben mit 'Gloria Dei', in Freude zu leben mit 'Gioia', den Frieden wünschen mit 'Peace' und für uns selbst als Familie Meilland, ein liebes Andenken an 'Mme A. Meilland' zu wahren.

Anmerkung

Die Rose 'Mme A. Meilland®' wurde, wegen ihrer guten Eigenschaften, bis heute häufig für Züchtungen verwendet. Viele bekannte Rosensorten haben 'Mme A. Meilland'-Blut.

Rose Mme A. Meilland 
Rose Mme A. Meilland

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