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Alternanz bei Obstbäumen

Hormonelle Schwankungen sind uns Menschen bestens bekannt. Der grössere Teil der Bevölkerung ist direkt betroffen, der andere Teil "nur" indirekt. Nur wenig bekannt ist, dass auch einige Obstbäume mit demselben Problem zu kämpfen haben.
Bei den Obstbäumen verläuft die Schwankung allerdings im zwei Jahres Verlauf und nennt sich Alternanz. So kommt es vor, dass die Bäume ein Jahr übervoll mit Früchten hängen, das Folgejahr aber praktisch keinen Ertrag bringen. Das Ganze wird ausgelöst durch Pflanzenhormone, auch Phytohormone genannt.
Zu den Hormonen kommen, bei Bäumen wie beim Menschen, noch äussere Umstände hinzu, die das Wohlbefinden beeinflussen. So kann zum Beispiel ein Kälteeinbruch im Frühling schnell zu einem jähen Absturz unserer noch zarten Frühlingsgefühle führen. Das Stimmungsbarometer sackt ab. Bei den Obstbäumen kann durch die Kälte ein Grossteil der Blüten vernichtet werden. Der Teufelskreis, die Alternanz nimmt seinen Lauf. Im Folgejahr werden die betroffenen Obstbäume unter einem überdurchschnittlich starken Fruchtbehang fast zusammenbrechen.
Doch man kann den Bäumen durch fachgerechte Pflegemassnahmen helfen, dass diese Hochs und Tiefs nicht so stark auftreten.

Nachteile der Alternanz

In einem Jahr mit einem überdurchschnittlich starken Fruchtbehang wächst meist eine grosse Zahl von kleinen, schlecht gefärbten Früchten heran. Die Qualität der Inhaltstoffe dieser Früchte, wie Zucker, Säuren, Vitaminen und Mineralien ist stark vermindert. Doch gerade diese Inhaltstoffe machen die Früchte so gesund. Man denke an den englischen Ausspruch: "an apple a day, keeps the doctor away". Für den Baum selbst ist dieser starke Fruchtbehang äusserst Kräfte zehrend. Das Holz ist in einem solchen Herbst nur wenig mit Reservestoffen versorgt. Das macht die Bäume empfindlicher gegenüber klimatischen Einflüssen und anfälliger für Krankheiten.
Im Folgejahr werden nur wenige, aber sehr grosse Früchte heranreifen. Doch auch diese sind oft in ihrer Qualität vermindert. Zum einen lassen sich diese Früchte nur sehr schwer lagern und anderseits sind diese Früchte vermehrt durch Krankheiten, wie Stippigkeit und Fleischbräune gefährdet.

Auslöser der Alternanz

Die wachsenden Triebspitzen und die Samen bilden Pflanzenhormone (Phytohormone), die die Knospendifferenzierung für das folgende Jahr bestimmen, d.h. ob Blüten, Triebe oder Blätter daraus entstehen. Die Phytohormone sind fleissig und schnell, oftmals sind die Würfel für das nächste Jahr bereits wenige Wochen nach der Blüte gefallen. Hier schon wird klar, dass sich bei so zukunftsorientierten Hormonen Veränderungen nur unter dem Gesichtspunkt der Langfristigkeit, erfolgreich herbeiführen lassen. Das heisst, dass alle Massnahmen nur über Jahre angewandt, zu einem ausgewogenen Fruchtbehang führen und somit der Alternanz den Garaus machen.
Ein anderer Faktor ist das Klima. Vor allem Spätfröste können über mehrere Jahre Nachwirkungen auf den Fruchtbehang haben. Aber auch Trockenheit und Nässe, sowie ein extremer Krankheits- oder Schädlingsbefall hinterlassen ihre Spuren.
Mangelhafte oder fehlende Pflege verstärkt die Anfälligkeit für Alternanz. Auf der anderen Seite können fachgerechte Anbaumethoden die Alternanz abschwächen oder sogar weitgehend verhindern. Dem Schnitt der Obstbäume kommt eine besondere Bedeutung zu, wie auch dem Ausdünnen der Blüten und der jungen, noch kleinen Früchte.

Ausdünnen der Blüten und der jungen Früchte

Obstgehölze sind im Normalfall selbst in der Lage ihren Blüten- und Fruchtansatz zu regulieren. Dies geschieht mit dem Nachblütefall, bei dem etwa 50% der überzähligen Blüten abfallen. Die zweite Regulierung erfolgt beim sogenannten Junifall, bei dem rund ein Drittel der inzwischen ungefähr haselnussgrossen Früchte abfällt. Doch oftmals ist dies nicht ausreichend. Vor allem Apfelbäume tun sich schwer damit und sind so am häufigsten von Alternanz betroffen.
Mit dem Ausdünnen, d.h. Entfernen überzähliger Blüten und Früchte wird die Fruchtqualität verbessert und die Blühwilligkeit im Folgejahr erhöht. Die Alternanz wird so verhindert oder zumindest abgeschwächt.
Im erwerbsmässigen Ostbau wird das Ausdünnen mit Hilfe von Spritzpräparaten oder auch maschinell mit einer Fadenmaschine durchgeführt. Beide Methoden sind für den Hobbygärtner nicht geeignet. Hier ist einzig die Handausdünnung sinnvoll. Diese Arbeit sollte nach dem Junifall durchgeführt werden. Diese Art der Ausdünnung ist aufwendiger aber auch schonender für den Baum und die Umwelt. Bei der Handausdünnung ist zu beachten, dass die Fruchtstiele am Baum verbleiben. Ein Teil der Fruchtbüschel sollte ganz entfernt werden, um die Blütenknospenbildung im nächsten Jahr an diesen Stellen sicher zu ermöglichen. Es braucht ein wenig Übung kombiniert mit einem guten Vorstellungsvermögen und Gespür, was für den Baum ein gutes Mass an Früchten darstellt. Auch wenn die Früchte zum Arbeitszeitpunkt noch klein sind, sollte man sich diese ausgewachsen vorstellen, das vereinfacht die Arbeit.

Der Schnitt

Bei einem gut gepflegten Baum sind neben blühenden und fruchtenden Trieben auch Triebe vorhanden, die zur Blütenbildung im kommenden Jahr befähigt sind. Das Verhältnis dieser verschiedenen Triebe ist entscheidend für eine mehr oder wenig gleich- und regelmässige Blütenbildung.
Grundlegend lässt sich sagen, dass der Schnitt eine Verminderung der wachsenden Triebspitzen zum Ziel hat. Denn je stärker das Triebwachstum, umso weniger Blüten werden sich bilden. Je steiler und kräftiger ein Trieb, umso stärker wächst er! Am einfachsten kann das Triebwachstum eingedämmt werden, indem die Triebe nicht geschnitten werden. Es kann auch sinnvoll sein ganz auf den Winterschnitt zu verzichten, dafür aber ab Mitte August eine Regulierung der Krone vorzunehmen. Bei diesem Schnitt ist das Augenmerk auf einer besseren Durchlichtung und Form des Obstbaumes gerichtet. Man verliert dabei im ersten Jahr möglicherweise einige Früchte. Wird der Schnitt in dieser Form über Jahre weitergeführt, ist der Ertrag an solchen Bäumen grösser gegenüber Bäumen, die ausschliesslich im Winter geschnitten werden. Weitere Massnahmen sind das Reduzieren von Langtrieben zugunsten von Kurztrieben und das Herunterbinden von kräftigen Trieben in die Waagrechte. Geringe Stickstoffgaben (Dünger) oder der generelle Verzicht können das Triebwachstum ebenfalls bremsen.
Zugegeben, es braucht ein wenig Fingerspitzengefühl. Durch regelmässiges Beobachten stellt sich aber bald das gewünschte Gespür für das Wachstum eines Baumes ein. Es ist auch ratsam, wenn Obstbäume über Jahre von der gleichen Person geschnitten werden. Die Pflege, insbesondere den Schnitt von Kernobstbäumen finden Sie detailliert und anschaulich im Video.


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